Geschichten
DrachenmagieKraftvolle majestätische Wesen aus einer längst vergangenen Zeit,
einer Zeit der Mythen, Sagen und Legenden.
Epoche des Kampfes der Menschen um Macht und Herrschaft,
der weißen Magie gegen die schwarze.
Geheimnisvoll schimmernde Schuppen, glühende Augen, Odem des Feuers,
alles verzehrend oder Wärme spendend.
Riesige Schwingen erheben sich in die Lüfte, werfen gigantische unheimliche Schatten
auf die umkämpfte Welt.
Ob im ewigen Eis, in der Dunkelheit einer versteckten Höhle, in der klaren Luft eines erwachenden Morgens,
wo immer ein menschliches Auge diese magischen Wesen erblickte,
spürte man die Energie, Kraft und Macht, sah das Symbol der Unvergänglichkeit,
der Stärke bis in alle Ewigkeit - die Drachenmagie.
Die Gegensätze des Lebens - schillernd und schimmernd - dunkel und bedrohlich,
vernichtend auf der einen Seite, Hoffnung und Schutz bietend auf der anderen.
Doch ohne Dunkelheit kein Licht, ohne Schwarz kein Weiß - ohne Tod kein Leben.
Jedes Ende ist ein Anfang, ohne Anfang kein Ende.
Egal welche Zeit - Energie kann niemals sterben, das ist das Gesetz des Lebens -
und so lange das in den Herzen und Köpfen der Menschen unvergesslich bleibt,
wird es sie immer geben, bis in alle Ewigkeit - die Drachenmagie.
Für Ryanthusar, meinen Dragonmaster Von ganzem Herzen bis in alle Ewigkeit..........
Birth of Dragon
Ein neuer Morgen bricht an im Feenwald. Die Welt ist in ein unwirkliches mystisches Licht getaucht. Die goldenen Strahlen der aufgehenden Sonne streifen die Spitzen der uralten Bäume, der Wind flüstert in den Wipfeln, die Vögel beginnen zu singen.
Der Feenwald erwacht und es geht ein Raunen und Flüstern durch die Blätter der Bäume, die leicht im Morgenwind erzittern. Tiere des Waldes lauschen - eine erwartungsvolle Stille breitet sich aus.
Denn es ist heute ein ganz besonderer Morgen. Der Anfang einer neuen Ära, auf die alle Lebewesen so lange gewartet haben. Heute wird ein kleiner Drache das Licht der Welt erblicken.
Die Legende sagt, beim ersten Lachen eines Kindes in der klaren Morgenluft des Tages nach der Mittsommernacht, wird ein kleiner Drache, getragen durch die Energie des Lachens eines unschuldigen Kindes mit reiner Seele, die Kraft haben, die dicke Schale seiner bisherigen weißen ovalen Wohnung aufzubrechen, seine verklebten Flügel in der Brise des heranbrechenden Tages öffnen, weit und frei wird er sie ausbreiten und dort, wo die vom kleinen Drachen aufgewirbelte Luft den Boden streift, werden Blumen mit goldenen Blüten wachsen.
Soweit die Legenden und Sagen, die seit jeher eine große magische Kraft haben, nicht nur für Kinderohren.
Es wispert im Wald, die kleinen Feen sind ganz aufgeregt. Eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter sammelt Reisig auf einer Lichtung im Feenwald. Die Sonnenstrahlen tanzen auf dem Gras, und im Halbdunkel der Drachenhöhle trifft ein einzelner Strahl das große wunderschöne Ei.
Gerade hat das kleine Mädchen ein paar Eicheln gefunden. Ein kleines Eichhörnchen klettert mutig vom Baum und hin zu dem Kind. Mit großen warmen Kinderaugen schaut das Mädchen in die braunen Knopfäuglein des Eichhörnchens, die kleinen Haarbüschel an den Ohren des Tieres zittern vor Aufregung.
Vorsichtig bückt sich das Kind und hält in seinen in seinen kleinen Händen dem Tier die Eicheln hin. Ganz langsam und vorsichtig kommt das Eichhörnchen näher und nimmt, blitzschnell aber sehr sanft, die Eicheln aus den Händen des Kindes.
Ein helles, fröhliches und glückliches Kinderlachen erfüllt die Luft und erklingt weit weit in den neuen Morgen - begrüßt den neuen Tag ........
...... und ein kleiner Drache lässt goldene Blumen blühen.
Kiss of Dragon
Einer sehr alten überlieferten Legende nach soll es mystische bizarre Wesen geben, die halb Mensch halb Drache sind. Die Berührung und der Kuss eines solchen Dracosus ist fast immer tödlich. Es sind Wesen der Nacht, ihr Schicksal ist verzehrend; denn das Feuer der Leidenschaft brennt in ihnen und ihr Treib ist stark. Doch wenn sie ihm nachgeben, kommt Tod und dunkle Vernichtung über die Menschen.
Der Legende nach sind diese Mutanten aus dem Atem eines Drachen entstanden. Wird ein Baby an Midsommer bei Vollmond genau um Mitternacht geboren, dann fühlen sich Drachen von diesen besonderen und seltenen Seelen magisch angezogen. Eine innere und sehr starke Kraft treibt die Drachen zu dem schlafenden Baby, und der gehauchte Odem des angezogenen Drachens lässt das Kind mit Beginn der Geschlechtsreife in jeder Vollmondnacht zu solch einem Dracosus mutieren.
Diese Mutanten leben äußerst zurückgezogen. Es gibt nur eine handvoll Überlebender, die ein solches bizarres, und in dieser Verwandlung erschreckend wunderschönes Wesen jemals mit eigenen Augen gesehen haben, um den Menschen diese phantastischen Eindrücke zu überliefern.
Raven - ein wirklich furchtloser Krieger - hat folgende Begebenheit stammelnd von sich gegeben, bevor er dem Wahnsinn verfiel:
"Wir hatten im Wald ein Lager errichtet und hörten um uns herum schleichende, huschende Geräusche und zischende Laute. Auf einmal bekamen wir alle Gänsehaut und die Angst fuhr uns in die Knochen, so dass wir uns kaum noch bewegen konnten. Plötzlich wurde das Lagerfeuer durch einen heftigen eiskalten Hauch gelöscht. Es war nur im ersten Moment eiskalt, danach brannte unsere Haut wie Feuer.
Ein großer furchteinflößender Schatten löste sich aus der Dunkelheit und sprang in die Mitte unseres Kreises. Was da, angestrahlt durch das fahle Mondlicht, vor uns aufragte, war so faszinierend und doch so entsetzlich, dass es uns vor Ehrfurcht flehen und beten ließ.
Das Wesen sah aus wie eine Frau, die zur Hälfte ein Drache war. Ihr Körper war vollkommen und wunderschön. Grünlich gelb und blau schimmernde Haut, am Rücken und an den Außenseiten der Arme und Beine mit Schuppen bedeckt. Ihr Busen und ihre Scham waren vollkommen geformt und deutlich zu sehen. Die Arme endeten in scharfen Klauen wo ihre Hände hätten sein sollen. Schuppenbedeckte Schwingen wuchsen aus dem Rücken.
Der Kopf sah bizarr aus. Riesige Roten Augen funkelten uns gierig an. Anstelle von Ohren hatte die Gestalt Hörner, die durch die vollen dunklen Haare stachen. Der Mund war wunderschön - Kirschlippen, sinnlich und verführerisch. Wir alle hatten das unbändige Verlangen, dieses Wesen zu küssen. Ein breiten langer schuppiger Schwanz knallte und zischte uns um die Ohren.
Dann öffnete das Geschöpf den Kirschmund. Scharfe dolchartige spitze Zähne wurden sichtbar. Und mit einem gewaltigen Feueratem loderte unser Lagerfeuer wieder auf. Mit geschmeidigen Bewegungen umkreiste die Gestalt das Feuer. Wir alle starrten gebannt hin, bis der Dracosus ganz plötzlich auf einen unserer Krieger sprang und ihn fast sanft küsste. Wie völlig ausgesaugt sackte der Körper leblos zusammen. Das passierte noch dreimal.
Dann verschwand der Mond hinter einer dunklen Wolke. Das Wesen fuhr geschmeidig und blitzschnell herum, öffnete die Schwingen, und erhob sich fauchend in die Luft. Wir saßen bewegungslos da. Unsere Augen verfolgten die seltsame Gestalt, die uns, einer tödlichen Versuchung gleich, heimgesucht hatte."
Der alte Drache und der junge Elf
Es trug sich zu vor langer langer Zeit, dass ein alter Drache bei seiner Landung in einem fruchtbaren Tal an einem schönen grünen Flussufer fast mit seinen riesigen klauenbewehrten Füßen auf einen jungen Elfen getreten wäre, der im hohen Gras nach Enteneiern suchte.
Der junge Elf war winzig klein im Vergleich zu dem majestätischen Drachen, aber er war auch furchtlos. So rief er (oder besser schrie er): "Hallo Du Riesenvieh da! Pass doch auf, wohin Du mit Deinen gefährlichen Riesenlatschen trittst!". Der Drache hörte das empörte leise Stimmchen und weil er ein weiser alter aber freundlicher Drache war, beugte er sich zu dem Elfen hinunter und sagte: "Verzeihung! Habe ich Dich erschreckt?". "Ist schon gut, nicht der Rede wert", meinte der junge Elf: "Aber brüll bitte nicht so! Da kann man ja taub werden". Der junge Elf betrachtete den alten Drachen eine Weile dann sagte er: "Du bist so schön groß. Ich habe mir immer gewünscht mal so groß zu sein. Kannst Du mich bitte zu Dir hinauf nehmen, ich möchte die Welt soooo gerne von oben sehen?"
Da legte der Drache ganz vorsichtig seine Klaue auf die Erde, der kleine Elf kletterte ohne Furcht durch die scharfen Krallen hinein. Der Drache hob die Klaue gen Himmel, dem Elf wurde ganz schwindelig und der Wind pfiff ihm um die Ohren. Doch oben dann hatte er einen fantastischen Blick auf die Welt um ihn herum. Der Drache zeigte ihm alles. Der junge Elf staunte. Er sah Berge, Flüsse, Wälder und Wiesen unter sich. Sogar auf die Dächer seines Dorfes konnte er blicken. Der Elf schaute und schaute und konnte sich gar nicht satt sehen. Zum Schluss setzte der gutmütige Drache den Kleinen auf seinen Kopf, von wo aus er noch besser sehen konnte.
Nach einiger Zeit fragte der Drache: "Weißt Du, Du bist so klein und kannst alles sehen, was im Gras versteckt ist, meine Augen sehen aber, wie Du bemerkt hast, die winzigen Dinge direkt auf der Erde nicht so gut. Kannst Du mich auch einmal zu Dir hinunternehmen? Denn ich habe mir schon immer gewünscht, die Welt einmal von unten zu sehen!"
Da stieg der junge Elf wieder in die Klaue des Drachen. Dieser beugte sich hinunter und setzte ihn vorsichtig auf der Wiese ab.
Dann legte sich der Drache auf den Bauch. Die Erde bebte, der kleine Elfe flog dreimal in die Luft, aber dann lag der Drache. Er ließ seinen großen gehörnten Schädel mit der Nase voran ins Gras plumpsen.
Der Elf zeigte ihm die Blumen und das Gras, die Tautropfen auf den Schilfhalmen, die Ameisen, Grillen und Käfer. Und der Drache entdeckte sogar ein paar Enteneier, was den fleißigen Elfen sehr freute. Der Drache staunte und staunte.
Er betrachtete alles ganz genau. Sogar eine Maus sah er und er schaute und schaute. Er hatte nicht gewusst, was es unten direkt auf der Erde so alles zu sehen gab. Dann hörte er eine zarte leise aber sehr resolute Stimme. Der junge Elf sagte: "Meine Mutter ruft mich. Es gibt noch so viel zu sehen. Aber jetzt muss ich nach Hause."
"Schade" sagte der alte Drache. "Aber treffen wir uns morgen wieder?"
"Klar" antwortete der junge Elf "Ich werde auf Dich warten, aber dann sei doch bitte vorsichtiger bei der Landung..."
Mit einem schalkhaften Grinsen im Gesicht verschwand der junge Elf im dichten Gras.
Der Drache sann noch eine Weile nach über das Erlebte und er dachte im Stillen:
sich immer bemühen, auch andere wahrzunehmen,
denn erst so erhält man ein umfassenderes Bild vom Ganzen..."
Das Drachenauge
Prolog
ES schlief und wartete. ES wusste, dass ein Träger in der Nähe war. Die Zeit war gekommen, der Ruf ausgesandt. ER würde kommen und dann würde eine neue Verbindung entstehen. ES hatte kein Zeitgefühl, Ungeduld war ihm fremd. Bald war es soweit. ES wartete geduldig ...........
Chrys "Dreamer" Daton schlenderte durch die Straßen des Bostoner Metroplex'. Er befand sich auf dem Weg in seine Stammkneipe, um mal wieder alte Freunde zwanglos zu treffen. Das Geschäft in den Schatten war hart und gefährlich, und so war es ihm zu Gewohnheit geworden, nach einem erfolgreich abgeschlossenen Auftrag ins "Dark End" zu gehen. Irgendwie gehörte das inzwischen zu einem Run dazu.
Dort und auch in den Schatten war er eigentlich nur als "Dreamer" bekannt. Obwohl er sich seinen Lebensunterhalt als Shadowrunner verdiente, glaubte er noch an das Gute in den Menschen und Metamenschen. Er war immer positiv eingestellt, und obwohl es so viel Schlechtes um ihn herum gab, ließ er sich davon nicht beirren. Aus diesem Grund hatte ein Freund ihn einmal als Träumer bezeichnet, und dieser Name war an ihm hängen geblieben.
Dreamer wählte auch seine Aufträge nach bestimmten Prinzipien aus. Er nahm nur solche Aufträge an, von denen er überzeugt war, dass sie einem guten Zweck dienen. Wenn ihm sein Auftraggeber unlauter vorkam, lehnte er grundsätzlich ab. Erstaunlicherweise bekam er trotz oder gerade wegen dieser Einstellung genügend lukrative Aufträge und kam so finanziell ganz gut über die Runden.
Gedankenversunken hatte er inzwischen das Viertel erreicht, in dem sich die Kneipe befand. Sie war nur noch zwei Blocks entfernt. Plötzlich fiel sein Blick auf einen Laden. Über der Tür hing ein durch Wind und Wetter bis zur Unleserlichkeit verwittertes Schild, auf dem nur noch ein Drachen zu erkennen war. Die Buchstaben darunter waren beim besten Willen nicht mehr zu entziffern.
In der Vitrine waren diverse merkwürdige und ihm unbekannte Gegenstände zu erkennen. ‚Ist dieser Laden schon immer hier gewesen?' frage Dreamer sich. Merkwürdig, dass er ihm noch nie aufgefallen war. Irgendwie fühlte er sich von diesem Geschäft angezogen. Da Dreamer sich immer auf sein Gefühl hatte verlassen können, öffnete er die Tür und betrat den Laden.
Seine Augen brauchten einen Moment, bis sie sich an das Zweilicht gewöhnt hatten. Im Geschäft herrschte ein heilloses Durcheinander. Regale standen wahllos verstreut herum, gefüllt mit Gegenständen, deren Sinn und Zweck Dreamer nicht immer erkennen konnte. Die Wände wurden von Bildern und Gemälden geschmückt. Auf allen waren verschiedene Drachen zu erkennen. Hinter dem Ladentisch befand sich ein großes Bücherregal, in dem sich tatsächlich Bücher und sogar Schriftrollen befanden.
Die Bücher und Schriftrollen mussten wirklich sehr alt sein und sie stellten einen wahren Schatz dar, wurde doch heutzutage das Wissen nicht mehr in Buchform, sondern auf Chips gespeichert, deren Kapazität enorm war. Der interessierte User konnte über ein Cyberdeck bzw. eine im Kopf implantierte Datenbuchse das gewünschte Wissen direkt in sein Gehirn laden und sofort darüber verfügen.
Nachdem er sich umgesehen hatte, schlenderte Dreamer weiter durch den Laden, bis er vor einem Regal stehen blieb. Auf diesem Regal lagen verschiedene Gegenstände, aber sein Blick wurde von einem runden Anhänger angezogen, der auf dem mittleren Regalbrett ruhte.
Der Anhänger war rund und hatte etwa den Durchmesser einer Handfläche. Die äußere Fassung bestand aus einem silbrigen Metall, die einen runden goldfarbenen Stein enthielt. Die Kette bestand aus dem gleichen Material. Der Stein war milchig, aber noch während Dreamer den Anhänger betrachtete, wurde der Stein plötzlich klar und er konnte eine geschlitzte Pupille erkennen. Der Stein sah plötzlich aus wie eine Auge, welches ihn betrachtet.
"Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" ertönte hinter ihm eine Stimme. Aufgeschreckt drehte Dreamer sich um, denn er hatte den Sprecher gar nicht kommen gehört, was um so erstaunlicher war, da er eigentlich über ausgezeichnete Sinne verfügte. Er sah sich einem Zwerg gegenüber, der ihn anlächelte.
"Aaaah, ich sehe, Sie verfügen über einen ausgezeichneten Geschmack," fuhr der Zwerg fort und deutete auf den Anhänger, der inzwischen wieder sein milchiges Aussehen angenommen hatte. "Eines meiner schönsten Stücke."
"Was ist es?" fragte Dreamer den Zwerg.
Der Zwerg lächelte geheimnisvoll und erwiderte: "Ein Anhänger - nichts weiter. Aber ein besonders schönes Stück. Der Stein und auch die Fassung sind außergewöhnlich - das Material ist unbekannt. Vermutlich stammt es von einem Meteoriten."
‚Drachenauge' - Irgendwie tauchte dieser Begriff in Dreamer's Kopf auf. Zugleich hatte er das Gefühl, dass er diesen Anhänger haben musste, dass er gleichsam zu ihm gehört.
"Was soll er kosten?"
Der Zwerg nannte eine Summe, die Dreamer die Haare zu Berge stehen ließ. Der Kaufpreis würde einen Großteil seiner Einnahmen aus dem letzten Run verschlingen. Trotzdem war er sich sicher, dass der Preis für den Anhänger angemessen war.
"In Ordnung," erwiderte Dreamer ohne zu zögern. "Gekauft."
Er reichte dem Zwerg seinen Kredstab, auf dem eine bestimmte Summe Geld gespeichert war, damit dieser den Kaufpreis davon abbuchen konnte. Der Zwerg steckte den Stab in ein Lesegerät und buchte die Summe ab. Anschließend reichte er Dreamer den Kredstab und den Anhänger.
Dieser nahm beides entgegen, steckte den Stab ein und hängte sich den Anhänger um den Hals. Er nickte dem Zwerg zu und wandte sich zum Gehen.
"Es war mir ein Vergnügen, mit Ihnen Geschäfte zu machen," rief ihm der Zwerg nach. "Viel Freude damit und möge die Drachenmagie mit Ihnen sein."
Diese Worte hallten ihm beim Verlassen des Geschäftes nach. Dreamer dachte sich nichts weiter bei diesen Worten. Vermutlich war der Zwerg einfach nur ein bisschen merkwürdig. Dreamer schüttelte den Kopf und setzte seinen Weg Richtung Kneipe fort.
Dreamer schreckte schweißgebadet hoch. Der Traum war verworren und wild gewesen. Noch während er überlegte, was er wohl geträumt hatte, verschwanden die Bilder aus seinem Kopf. Seit Tagen schon schlief er unruhig, träumte wirres Zeug und schreckte immer wieder aus dem Schlaf.
An Schlaf war nicht mehr zu denken, deshalb erhob er sich, gönnte sich eine Dusche und kleidete sich an. Eine Fahrt auf seinem Bock würde ihm bestimmt den Kopf klären. Wie immer, wenn er das Haus verließ, nahm er auch eine wenig Artillerie mit. Heute wählte er zwei Handfeuerwaffen unterschiedlichen Kalibers aus. Eine große Ares Predator fürs Grobe sowie eine Beretta kleineren Kalibers. Für beide nahm er ausreichend Munition mit.
So ausgestattet ging er in die Tiefgarage, wo seine Honda Ryujin geparkt stand. Das nachtschwarze Motorrad wirkte wie ein schlafendes Raubtier, das nur darauf wartet, auf Jagd zu gehen.
Dreamer schwang sich auf das Zweirad und ließ den Motor an. Er wurde mit einem satten Sound belohnt, der die Kraft ahnen ließ, die in dieser Maschine steckte. Er ließe den Motor einmal aufheulen und fuhr aus der Tiefgarage.
Instinktiv fuhr er Richtung Meer, denn er liebte diese Strecke mit Blick auf die Wellen. Er schlängelte sich durch den noch ruhigen Verkehr und entspannte sich allmählich wieder. Beim Motorradfahren konnte er am besten abschalten.
Während der Fahrt hing er seinen Gedanken nach, weshalb er den dunklen Minivan, der ihm folgte, erst nach einiger Zeit bemerkte. Nachdem er wahllos einige Male abgebogen war, dämmerte ihm, dass sich dieses Fahrzeug nicht zufällig hinter ihm befand.
Dreamer hatte nicht so lange in den Schatten überlebt, weil er ein Zauderer war. Er duckte sich über seine Maschine und beschleunigte rapide. Im Rückspiegel konnte er erkennen, dass auch der Minivan Fahrt aufnahm und versuchte, an ihm dranzubleiben. An der Fahrweise erkannte er, dass der Fahrer des Van ein Rigger sein musste, also jemand, der durch Implantate direkt mit dem Fahrzeug verbunden war, so dass dieses zu einem Teil seines Körpers wurde. Kein normaler Mensch hätte solche Manöver bei einer derartigen Geschwindigkeit durchführen können.
Ihm war klar, dass er den Van nicht würde abschütteln können. Deswegen bog er bei der nächsten Gelegenheit in halsbrecherischem Tempo nach rechts ab und fuhr Richtung Innenstadt, wo er hoffte, im dichten Verkehr untertauchen zu können. Der Minivan blieb an ihm dran und näherte sich ihm weiter. Dreamer musste Kopf und Kragen riskieren, um einen gewissen Abstand zu halten.
Als er wieder einmal abbog, sah er linker Hand ein altes Fabrikgelände. Ohne zu zögern fuhr er auf das Gelänge, umrundete ein altes Fabrikgebäude und bremste abrupt. Noch bevor das Motorrad ganz zum Stillstand gekommen war, befand er sich auf den Füßen, hatte die Ares Predator gezogen und rannte geduckt in das Gebäude.
Der Minivan kam mit quietschenden Reifen neben seiner Honda zum Stehen, die Tür schwang auf, drei Männer sprangen mit schussbereiten Waffen nach draußen und suchten die Gegend ab. Aus seiner Deckung konnte Dreamer erkennen, dass es sich um einen Troll, einen Ork und einen Menschen handelte, alle schwer bewaffnet. Die Art und Weise, wie sie sich bewegten und dabei gegenseitig sicherten, ließ bei Dreamer die Alarmglocken klingeln.
Dies waren Profis, die es auf ihn abgesehen hatten. Aber aus welchem Grund? Der letzte Auftrag war nichts besonderes gewesen, und er hatte dabei auch niemandem auf die Füße getreten. Vorsichtig bewegte er sich in seiner Deckung, suchte nach einer Ausgangsposition, die ihm ein besseres Schussfeld bot.
Einer seiner Verfolger drehte den Kopf in seine Richtung und Dreamer konnte erkennen, dass er eine Infrarotbrille trug.
‚Shit' dachte er noch und sprang in Richtung der nächsten Deckung. Keinen Moment zu früh, denn eine Salve fegte in die Stelle, an der er sich einen Augenblick zuvor noch befunden hatte.
Dreamer kam auf, rollte ab und feuerte auf seine Verfolger. Der Troll ging zu Boden und rührte sich nicht mehr. Er hatte ihn genau in den Kopf getroffen. Da nutzte ihm auch seine schusssichere Weste aus Kevlar nichts. Dreamer bewegte sich feuernd weiter und fand eine neue Deckung. Ein kurzer Blick zeigte ihm, dass seine beiden verbliebenden Gegner sich geteilt hatten, um ihn in die Zange zu nehmen.
Seine Optionen liefen langsam aus. Wenn er sich nicht schnell was einfallen ließ, würden die beiden ihn einkesseln und ins Kreuzfeuer nehmen - eine ganz und gar unangenehme Aussicht.
Dreamer wandte sich nach links und bewegte sich kriechend auf einen der beiden zu. Dann verharrte er lautlos geduckt hinter einem Pfeiler. Als sein Verfolger in Sicht kam, zögerte er nicht und erledigte ihn mit einer gezielten Doublette.
Noch während der Ork zu Boden ging, hechtete Dreamer in eine andere Deckung. Rasch wechselte er das Magazin seiner Ares Predator und schaute sich suchend nach seinem letzten Gegner um. Troll und Ork waren erledigt, blieb also noch der Mensch übrig. Aber von ihm war nichts zu sehen.
Dreamer entschied sich, den Spieß umzudrehen und aktiver zu werden. Die Chancen waren jetzt ausgeglichen und passives Abwarten nutzte ihm gar nichts. Immerhin konnte er nicht wissen, ob Verstärkung für die drei unterwegs war. Und er kannte auch nicht den Grund, warum die drei hinter ihm her waren. Also musste er die Situation schnell bereinigen und von hier verschwinden. Anschließend blieb ihm immer noch Zeit, sich über das Warum Gedanken zu machen.
Geduckt bewegte er sich von Deckung zu Deckung durch das Fabrikgebäude, immer auf der Suche nach dem letzten Angreifer. ‚Nichts zu sehen - so ein Dreck,' dachte er noch.
Als er plötzlich hinter sich ein Geräusch hörte, wirbelte er herum. Noch in der Drehung feuerte er auf seinen Angreifer, aber zu spät. Er sah den Mündungsblitz der gegnerischen Waffe, und wusste, dass er nicht mehr ausweichen konnte. Er hatte das Gefühl, das gegnerische Projektil wie in Zeitlupe auf sich zukommen zu sehen. Er merkte noch, wie sein neuer Anhänger, den er seit jenem Tag immer auf der Brust trug, plötzlich sehr heiß wurde. Dann spürte er einen heftigen Schlag - danach war nur noch Dunkelheit um ihn.
Als Dreamer aufwachte, hatte er das Gefühl, von einer Lokomotive überrollt worden zu sein. Langsam klärten sich seine Gedanken.
Er hätte doch tot sein müssen. Er hatte den Mündungsblitz gesehen, auch konnte er sich erinnern, dass er das Projektil auf sich zukommen sah. Danach hatte er einen heftigen Schlag gespürt und nichts mehr.
Er erhob sich langsam und sah gegenüber noch seinen dritten Gegner liegen. Er schaute sich den Menschen an. Die Leiche wies 3 Einschüsse auf, was ihn aber erstaunte war die Tatsache, dass der Leichnam aussah, als wäre er gegrillt worden. Er war schwarz verfärbt und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Dreamer hatte keine Ahnung, was vorgefallen war, aber dieses Rätsel musste warten. Er musste so schnell wie möglich von hier weg.
Eine schnelle Untersuchung der beiden anderen Leichen brachte ihm auch keine Erkenntnisse über seine Gegner. Sie waren ihm völlig unbekannt. Keine Shadowrunner hier aus der Gegend. Sie trugen nichts bei sich, was sie mit ihrem Auftraggeber in Verbindung brachte.
Er schlich sich zum Ausgang. Ein Blick nach draußen zeigte ihm, dass der Minivan verschwunden war. Sein Motorrad lag noch an der gleichen Stelle. Eine schnelle Inspektion zeigte ihm, dass die Maschine nicht mit irgendeinem Sprengsatz präpariert worden war.
Schnell verließ er diese Stätte und suchte eines seiner Notfallverstecke auf. Er wählte einen Umweg, aber Verfolger waren nicht auszumachen. Dort angekommen, versuchte er, die Ereignisse aufzuarbeiten.
Alles war logisch bis zu dem Moment, als er sich nach seinem dritten Gegner umdrehte. Dieser war schneller gewesen, hatte zuerst geschossen. Eigentlich hätte Dreamer tot sein müssen. Aber er lebte noch. Er erinnerte sich vage daran, dass sein Anhänger plötzlich sehr heiß geworden war, dann folgte ein Schlag und der Rest lag für ihn im Dunkeln.
Der Anhänger musste irgend etwas mit der Sache zu tun haben. Der Laden wo er ihn gekauft hatte. Der Zwerg müsste eigentlich Auskunft geben können. Schnell verließ er noch mal seine Unterkunft und ging zu dem Laden hin. Aber den Weg hätte er sich sparen können. Der Laden stand leer. Nichts deutete darauf hin, dass hier vor kurzem dieses merkwürdige Geschäft gewesen war, wo er den Anhänger gekauft hatte.
Wieder zurück in seiner Unterkunft, setzte er sich ans Telefon und rief seinen Schieber Wark an, einen Ork, der sich darauf spezialisiert hatte, potentiellen Auftraggebern die für den Auftrag passenden Shadowrunner zu vermitteln.
"Ich benötige einen Magier," kam er sofort zur Sache, als der Ork abhob. "Er sollte sich mit magischen Artefakten auskennen."
"Gebont, ich melde mich bei Dir," erwiderte der Ork und legte wieder auf. Dreamer wusste, dass der Ork ihm einen ausgezeichneten Magier verschaffen würde. Das Gute an ihm war, dass er nie unangenehme Fragen stellte. Auf seine Diskretion konnte man sich verlassen. Kurze Zeit später meldete Wark sich und gab ihm eine Adresse und eine Zeit durch, wo er den Magier würde treffen können. Diesen besonderen Service würde er natürlich auch in Rechnung stellen, aber das war es Dreamer wert. Er wusste, dass der Ort völlig sicher sein würde, so dass er mit dem Magier in Ruhe arbeiten konnte.
Er machte sich auf den Weg zum Treffpunkt.
Zur vereinbarten Zeit traf Dreamer an der Adresse ein. Das Haus lies auf Wohlstand schließen, denn es befand sich in einem vornehmen Wohngebiet von Boston. Dreamer klingelte an der Tür. Die Tür wurde geöffnet, ein Diener führte ihn, nachdem er sich vorgestellt hatte, ins Haus in eins der Zimmer und bedeutete ihm, dort zu warten.
"Sie müssen Dreamer sein," erklang hinter ihm eine Stimme, als der Gastgeber den Raum betrat. "Mein Name ist Theron. Sie benötigen meine Dienste?"
Dreamer nahm den Anhänger ab und legte ihn auf den Tisch vor sich. "Ich hätte gerne gewusst, worum es sich bei diesem Anhänger handelt," sagte er. Anschließend erzählte er dem Magier, wie er zu dem Anhänger gekommen war und von der Schießerei. Er erzählte ihm auch von den wirren Träumen in letzter Zeit, und dass der Laden wie vom Erdboden verschluckt war.
Theron hörte wortlos zu. Als Dreamer seine Erzählung beendet hatte, sank der Magier in eine kurze Trance, während der er die Aura des Anhängers im Astralraum überprüfte. Kurz darauf öffnete er wieder die Augen und musterte Dreamer.
"Der Anhänger beherbergt Drachenmagie," sagte Theron. "So viel konnte ich erkennen. Große Macht umgibt ihn, und er scheint auf etwas zu warten. Es war mir nicht möglich, mehr darüber herauszufinden. Nach dem, was Sie mir erzählt haben, vermute ich, dass eine besondere Verbindung zwischen Ihnen und dem Anhänger besteht. Deshalb würde ich vorschlagen, dass ich Sie mit auf die Astralebene nehme. Sie können vermutlich dort mit dem Artefakt in Kontakt treten."
Dreamer gefiel diese Vorstellung überhaupt nicht, aber er hatte keine Wahl, wollte er herausfinden, was es mit diesem Anhänger auf sich hatte. Er spürte, dass hier besondere Kräfte am Werk waren, deshalb willigte er ein.
Theron versetzte Dreamer und sich in Trance. Dreamer hatte das Gefühl, sich von seinem Körper zu lösen. Vor sich sah er den durchscheinenden Astralleib des Magiers. Als er an sich herunterschaute, sah er, dass er ebenfalls durchsichtig war. Er konnte seinen und den Körper des Magiers entspannt in den Sesseln ruhen sehen. Zwischen ihnen lag der Anhänger auf dem Tisch und pulsierte in einem goldenen Licht.
Theron reichte Dreamers Astralgestalt die Hand und zog ihn mit sich. Ehe Dreamer wusste, wie ihm geschah, passierten sie mehrere Tore und befanden sich plötzlich an ihrem Ziel. Hier konnte Dreamer ihre beiden Körper und den Anhänger so gut wie nicht mehr erkennen, allenfalls erahnen. Dafür war das Pulsieren des Anhängers um so deutlicher und intensiver erkennbar.
"Sie müssen jetzt alleine weitermachen. Ich werde in der Nähe sein. Wenn Sie mich brauchen, rufen sie mich einfach," übermittelte ihm der Magier gedanklich, dann stand Dreamer alleine da.
Vorsichtig näherte er sich dem pulsierenden Licht. Dieses wurde heller und intensiver, aber Dreamer verspürte keine Furcht. Das Licht nahm Konturen an. Zuerst ganz schwach, dann immer deutlicher wurde die riesige durchscheinende Gestalt eines goldenen Drachen erkennbar. Obwohl durchscheinend, war jede Einzelheit des Drachen deutlich zu sehen jede Schuppe, jede Kralle, jedes Horn. Der Astraldrache war wunderschön anzuschauen. Der Drache öffnete die Augen und blickte Dreamer an.
"Endlich seid Ihr da," hörte Dreamer eine Stimme in seinem Kopf. "Ich bin Alurion. Mein Geist ist in dieses Objekt - das Drachenauge - eingebettet."
Tausend Gedanken und Fragen schwirrten ihm durch den Kopf.
"Ich werde Euch jetzt zeigen, was es mit dem Drachenauge auf sich hat."
Plötzlich erschienen Bilder in Dreamers Kopf - er sah die Geschichte von der Entstehung des Drachenauges - seine Entwicklung - seine früheren Träger. Er erfuhr alles vom Drachenauge - bis zum heutigen Tag.
Schließlich hörten die Bilder auf und die Stimme war wieder in seinem Kopf.
"Ihr seid auserwählt. Ihr seid der Träger, wir gehören zusammen."
Dreamer nickte, die Drachengestalt verschwamm und zurück blieb wieder dieses pulsierende Glühen. Er rief nach Theron, um wieder zurückzukehren. Er hatte alles erfahren, was er wissen musste.
Theron's Astralgestalt tauchte neben ihm auf, und ohne Worte wusste er, dass Dreamer hier fertig war. Er nahm ihn wieder bei der Hand und kehrte mit ihm zurück.
Dreamer öffnete die Augen. Theron saß ihm gegenüber und blickte ihn an.
"Geht es Ihnen gut?"
"Mir schwirrt der Kopf. Aber ansonsten fühle ich mich in Ordnung," erwiderte er.
"Haben Sie etwas erfahren?" fragte Theron interessiert.
"Eine ganze Menge," erwiderte Dreamer. "Mal sehen, ob ich es noch vernünftig zusammenbekomme.
Also der Anhänger hat einen Namen - Drachenauge. In ihm ist der Geist eines Drachen eingebettet. Er wurde von den Drachen selbst erschaffen, vor langer langer Zeit. Alurion, so heißt der Drache, wollte immer Gutes tun. Er wusste, dass er selbst auch nicht unsterblich ist, und um das Böse zusammen mit den Menschen zu bekämpfen, kam er auf den Gedanken, ein magisches Artefakt zu erzeugen.
Dieses Artefakt sollte so beschaffen sein, dass es sich seinen Träger aussucht und mit ihm eine Symbiose eingeht. Das Artefakt beschützt den Träger bei Gefahr und verleiht ihm besondere Kräfte. Der Träger setzt im Gegenzug diese Kräfte dazu ein, Böses zu bekämpfen. In einem magischen Ritual versetzte Alurion mit Hilfe anderer Drachen seinen Geist in dieses von ihm geschaffene Artefakt. Seither hat es viele Träger gegeben.
Aber wir Menschen sind auch sterblich, und wenn der Träger stirbt, dann wartet das Artefakt auf einen neuen Träger. In bestimmten Abständen sendet es eine Art Ruf aus und wartet dann. Jetzt verstehe ich auch, warum ich mich von diesem merkwürdigen Geschäft angezogen gefühlt habe. Ich vermute, dass ich diesem Ruf gefolgt bin.
Die Träume stammten übrigens auch von dem Drachenauge. Es war der Versuch Alurions, mir zu zeigen, was das Drachenauge ist, und wie ich mit ihm umgehen kann. Aber irgendwie war ich nicht offen genug, diese Botschaft zu verstehen. Deshalb die wirren Träume.
Das Drachenauge hat mich dann auch bei der Schießerei beschützt. Alurion hat es mir gezeigt. Als der dritte Gegner auf mich schoss, aktivierte sich in diesem Augenblick höchster Gefahr das Drachenauge. Um mich herum nahm eine Art magischer Schild Gestalt an, der die Wucht des Projektils milderte. Ich bekam nur einen gewaltigen Stoß ab. Außerdem schlug aus dem Drachenauge eine Flammenzunge, wie der Flammenatem eines Drachen, die den Typen gegrillt hat.
Mehr bekomme ich momentan nicht zusammen," beendete Dreamer seinen Bericht.
Theron schaute ihn nachdenklich an und meinte dann:
"Ihnen ist klar, dass dieses Artefakt etwas ganz besonderes ist? Jeder, der von seiner Existenz erfährt, könnte in die Versuchung kommen, es Ihnen abzunehmen, um diese Macht für sich zu nutzen. Die Typen, die hinter Ihnen her waren, könnten von jemandem, der die Existenz des Artefaktes erspürt hat, ausgesandt worden sein, um es Ihnen abzunehmen. Und Sie haben jetzt eine besondere Verantwortung."
Dreamer schaute den Magier fragend an.
"Sie wurden von einem Drachen erwählt, auch wenn es sich nur um den Geist eines Drachen handelt. Sie wissen doch, was mit Individuen passiert, die sich dem Willen eines Drachen widersetzen? Der Drache hat besonderes mit Ihnen vor, und Sie werden damit leben müssen, was immer es auch sein mag."
Dreamer nickte nachdenklich. Er machte sich keine Sorgen deswegen. Er fühlte, dass sein Leben eine Wendung genommen hatte, dass er jetzt in der Lage war, etwas zu bewirken. Er würde sich langsam mit den Fähigkeiten des Drachenauges vertraut machen und es dann im Sinne des Drachen einsetzen. Die Zukunft würde spannend verlaufen.
Alurion war zufrieden. Ein neuer Träger war gefunden, kein schlechter, wie er nach der ersten Begegnung feststellen musste. Natürlich musste der Träger erst noch lernen, mit dem Drachenauge umzugehen. Aber darüber machte Alurion sich keinerlei Sorgen. Der Träger war ein integerer Mensch mit einer guten Seele.
Er würde ihm alles erforderliche beibringen, damit sie zusammen ihre Bestimmung, den Kampf gegen das Böse, erfüllen konnten.
Alurion lächelte innerlich - das Drachenauge war wach und wieder aktiv ............
Prolog
ES schlief und wartete. ES wusste, dass ein Träger in der Nähe war. Die Zeit war gekommen, der Ruf ausgesandt. ER würde kommen und dann würde eine neue Verbindung entstehen. ES hatte kein Zeitgefühl, Ungeduld war ihm fremd. Bald war es soweit. ES wartete geduldig ...........
Chrys "Dreamer" Daton schlenderte durch die Straßen des Bostoner Metroplex'. Er befand sich auf dem Weg in seine Stammkneipe, um mal wieder alte Freunde zwanglos zu treffen. Das Geschäft in den Schatten war hart und gefährlich, und so war es ihm zu Gewohnheit geworden, nach einem erfolgreich abgeschlossenen Auftrag ins "Dark End" zu gehen. Irgendwie gehörte das inzwischen zu einem Run dazu.
Dort und auch in den Schatten war er eigentlich nur als "Dreamer" bekannt. Obwohl er sich seinen Lebensunterhalt als Shadowrunner verdiente, glaubte er noch an das Gute in den Menschen und Metamenschen. Er war immer positiv eingestellt, und obwohl es so viel Schlechtes um ihn herum gab, ließ er sich davon nicht beirren. Aus diesem Grund hatte ein Freund ihn einmal als Träumer bezeichnet, und dieser Name war an ihm hängen geblieben.
Dreamer wählte auch seine Aufträge nach bestimmten Prinzipien aus. Er nahm nur solche Aufträge an, von denen er überzeugt war, dass sie einem guten Zweck dienen. Wenn ihm sein Auftraggeber unlauter vorkam, lehnte er grundsätzlich ab. Erstaunlicherweise bekam er trotz oder gerade wegen dieser Einstellung genügend lukrative Aufträge und kam so finanziell ganz gut über die Runden.
Gedankenversunken hatte er inzwischen das Viertel erreicht, in dem sich die Kneipe befand. Sie war nur noch zwei Blocks entfernt. Plötzlich fiel sein Blick auf einen Laden. Über der Tür hing ein durch Wind und Wetter bis zur Unleserlichkeit verwittertes Schild, auf dem nur noch ein Drachen zu erkennen war. Die Buchstaben darunter waren beim besten Willen nicht mehr zu entziffern.
In der Vitrine waren diverse merkwürdige und ihm unbekannte Gegenstände zu erkennen. ‚Ist dieser Laden schon immer hier gewesen?' frage Dreamer sich. Merkwürdig, dass er ihm noch nie aufgefallen war. Irgendwie fühlte er sich von diesem Geschäft angezogen. Da Dreamer sich immer auf sein Gefühl hatte verlassen können, öffnete er die Tür und betrat den Laden.
Seine Augen brauchten einen Moment, bis sie sich an das Zweilicht gewöhnt hatten. Im Geschäft herrschte ein heilloses Durcheinander. Regale standen wahllos verstreut herum, gefüllt mit Gegenständen, deren Sinn und Zweck Dreamer nicht immer erkennen konnte. Die Wände wurden von Bildern und Gemälden geschmückt. Auf allen waren verschiedene Drachen zu erkennen. Hinter dem Ladentisch befand sich ein großes Bücherregal, in dem sich tatsächlich Bücher und sogar Schriftrollen befanden.
Die Bücher und Schriftrollen mussten wirklich sehr alt sein und sie stellten einen wahren Schatz dar, wurde doch heutzutage das Wissen nicht mehr in Buchform, sondern auf Chips gespeichert, deren Kapazität enorm war. Der interessierte User konnte über ein Cyberdeck bzw. eine im Kopf implantierte Datenbuchse das gewünschte Wissen direkt in sein Gehirn laden und sofort darüber verfügen.
Nachdem er sich umgesehen hatte, schlenderte Dreamer weiter durch den Laden, bis er vor einem Regal stehen blieb. Auf diesem Regal lagen verschiedene Gegenstände, aber sein Blick wurde von einem runden Anhänger angezogen, der auf dem mittleren Regalbrett ruhte.
Der Anhänger war rund und hatte etwa den Durchmesser einer Handfläche. Die äußere Fassung bestand aus einem silbrigen Metall, die einen runden goldfarbenen Stein enthielt. Die Kette bestand aus dem gleichen Material. Der Stein war milchig, aber noch während Dreamer den Anhänger betrachtete, wurde der Stein plötzlich klar und er konnte eine geschlitzte Pupille erkennen. Der Stein sah plötzlich aus wie eine Auge, welches ihn betrachtet.
"Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" ertönte hinter ihm eine Stimme. Aufgeschreckt drehte Dreamer sich um, denn er hatte den Sprecher gar nicht kommen gehört, was um so erstaunlicher war, da er eigentlich über ausgezeichnete Sinne verfügte. Er sah sich einem Zwerg gegenüber, der ihn anlächelte.
"Aaaah, ich sehe, Sie verfügen über einen ausgezeichneten Geschmack," fuhr der Zwerg fort und deutete auf den Anhänger, der inzwischen wieder sein milchiges Aussehen angenommen hatte. "Eines meiner schönsten Stücke."
"Was ist es?" fragte Dreamer den Zwerg.
Der Zwerg lächelte geheimnisvoll und erwiderte: "Ein Anhänger - nichts weiter. Aber ein besonders schönes Stück. Der Stein und auch die Fassung sind außergewöhnlich - das Material ist unbekannt. Vermutlich stammt es von einem Meteoriten."
‚Drachenauge' - Irgendwie tauchte dieser Begriff in Dreamer's Kopf auf. Zugleich hatte er das Gefühl, dass er diesen Anhänger haben musste, dass er gleichsam zu ihm gehört.
"Was soll er kosten?"
Der Zwerg nannte eine Summe, die Dreamer die Haare zu Berge stehen ließ. Der Kaufpreis würde einen Großteil seiner Einnahmen aus dem letzten Run verschlingen. Trotzdem war er sich sicher, dass der Preis für den Anhänger angemessen war.
"In Ordnung," erwiderte Dreamer ohne zu zögern. "Gekauft."
Er reichte dem Zwerg seinen Kredstab, auf dem eine bestimmte Summe Geld gespeichert war, damit dieser den Kaufpreis davon abbuchen konnte. Der Zwerg steckte den Stab in ein Lesegerät und buchte die Summe ab. Anschließend reichte er Dreamer den Kredstab und den Anhänger.
Dieser nahm beides entgegen, steckte den Stab ein und hängte sich den Anhänger um den Hals. Er nickte dem Zwerg zu und wandte sich zum Gehen.
"Es war mir ein Vergnügen, mit Ihnen Geschäfte zu machen," rief ihm der Zwerg nach. "Viel Freude damit und möge die Drachenmagie mit Ihnen sein."
Diese Worte hallten ihm beim Verlassen des Geschäftes nach. Dreamer dachte sich nichts weiter bei diesen Worten. Vermutlich war der Zwerg einfach nur ein bisschen merkwürdig. Dreamer schüttelte den Kopf und setzte seinen Weg Richtung Kneipe fort.
Dreamer schreckte schweißgebadet hoch. Der Traum war verworren und wild gewesen. Noch während er überlegte, was er wohl geträumt hatte, verschwanden die Bilder aus seinem Kopf. Seit Tagen schon schlief er unruhig, träumte wirres Zeug und schreckte immer wieder aus dem Schlaf.
An Schlaf war nicht mehr zu denken, deshalb erhob er sich, gönnte sich eine Dusche und kleidete sich an. Eine Fahrt auf seinem Bock würde ihm bestimmt den Kopf klären. Wie immer, wenn er das Haus verließ, nahm er auch eine wenig Artillerie mit. Heute wählte er zwei Handfeuerwaffen unterschiedlichen Kalibers aus. Eine große Ares Predator fürs Grobe sowie eine Beretta kleineren Kalibers. Für beide nahm er ausreichend Munition mit.
So ausgestattet ging er in die Tiefgarage, wo seine Honda Ryujin geparkt stand. Das nachtschwarze Motorrad wirkte wie ein schlafendes Raubtier, das nur darauf wartet, auf Jagd zu gehen.
Dreamer schwang sich auf das Zweirad und ließ den Motor an. Er wurde mit einem satten Sound belohnt, der die Kraft ahnen ließ, die in dieser Maschine steckte. Er ließe den Motor einmal aufheulen und fuhr aus der Tiefgarage.
Instinktiv fuhr er Richtung Meer, denn er liebte diese Strecke mit Blick auf die Wellen. Er schlängelte sich durch den noch ruhigen Verkehr und entspannte sich allmählich wieder. Beim Motorradfahren konnte er am besten abschalten.
Während der Fahrt hing er seinen Gedanken nach, weshalb er den dunklen Minivan, der ihm folgte, erst nach einiger Zeit bemerkte. Nachdem er wahllos einige Male abgebogen war, dämmerte ihm, dass sich dieses Fahrzeug nicht zufällig hinter ihm befand.
Dreamer hatte nicht so lange in den Schatten überlebt, weil er ein Zauderer war. Er duckte sich über seine Maschine und beschleunigte rapide. Im Rückspiegel konnte er erkennen, dass auch der Minivan Fahrt aufnahm und versuchte, an ihm dranzubleiben. An der Fahrweise erkannte er, dass der Fahrer des Van ein Rigger sein musste, also jemand, der durch Implantate direkt mit dem Fahrzeug verbunden war, so dass dieses zu einem Teil seines Körpers wurde. Kein normaler Mensch hätte solche Manöver bei einer derartigen Geschwindigkeit durchführen können.
Ihm war klar, dass er den Van nicht würde abschütteln können. Deswegen bog er bei der nächsten Gelegenheit in halsbrecherischem Tempo nach rechts ab und fuhr Richtung Innenstadt, wo er hoffte, im dichten Verkehr untertauchen zu können. Der Minivan blieb an ihm dran und näherte sich ihm weiter. Dreamer musste Kopf und Kragen riskieren, um einen gewissen Abstand zu halten.
Als er wieder einmal abbog, sah er linker Hand ein altes Fabrikgelände. Ohne zu zögern fuhr er auf das Gelänge, umrundete ein altes Fabrikgebäude und bremste abrupt. Noch bevor das Motorrad ganz zum Stillstand gekommen war, befand er sich auf den Füßen, hatte die Ares Predator gezogen und rannte geduckt in das Gebäude.
Der Minivan kam mit quietschenden Reifen neben seiner Honda zum Stehen, die Tür schwang auf, drei Männer sprangen mit schussbereiten Waffen nach draußen und suchten die Gegend ab. Aus seiner Deckung konnte Dreamer erkennen, dass es sich um einen Troll, einen Ork und einen Menschen handelte, alle schwer bewaffnet. Die Art und Weise, wie sie sich bewegten und dabei gegenseitig sicherten, ließ bei Dreamer die Alarmglocken klingeln.
Dies waren Profis, die es auf ihn abgesehen hatten. Aber aus welchem Grund? Der letzte Auftrag war nichts besonderes gewesen, und er hatte dabei auch niemandem auf die Füße getreten. Vorsichtig bewegte er sich in seiner Deckung, suchte nach einer Ausgangsposition, die ihm ein besseres Schussfeld bot.
Einer seiner Verfolger drehte den Kopf in seine Richtung und Dreamer konnte erkennen, dass er eine Infrarotbrille trug.
‚Shit' dachte er noch und sprang in Richtung der nächsten Deckung. Keinen Moment zu früh, denn eine Salve fegte in die Stelle, an der er sich einen Augenblick zuvor noch befunden hatte.
Dreamer kam auf, rollte ab und feuerte auf seine Verfolger. Der Troll ging zu Boden und rührte sich nicht mehr. Er hatte ihn genau in den Kopf getroffen. Da nutzte ihm auch seine schusssichere Weste aus Kevlar nichts. Dreamer bewegte sich feuernd weiter und fand eine neue Deckung. Ein kurzer Blick zeigte ihm, dass seine beiden verbliebenden Gegner sich geteilt hatten, um ihn in die Zange zu nehmen.
Seine Optionen liefen langsam aus. Wenn er sich nicht schnell was einfallen ließ, würden die beiden ihn einkesseln und ins Kreuzfeuer nehmen - eine ganz und gar unangenehme Aussicht.
Dreamer wandte sich nach links und bewegte sich kriechend auf einen der beiden zu. Dann verharrte er lautlos geduckt hinter einem Pfeiler. Als sein Verfolger in Sicht kam, zögerte er nicht und erledigte ihn mit einer gezielten Doublette.
Noch während der Ork zu Boden ging, hechtete Dreamer in eine andere Deckung. Rasch wechselte er das Magazin seiner Ares Predator und schaute sich suchend nach seinem letzten Gegner um. Troll und Ork waren erledigt, blieb also noch der Mensch übrig. Aber von ihm war nichts zu sehen.
Dreamer entschied sich, den Spieß umzudrehen und aktiver zu werden. Die Chancen waren jetzt ausgeglichen und passives Abwarten nutzte ihm gar nichts. Immerhin konnte er nicht wissen, ob Verstärkung für die drei unterwegs war. Und er kannte auch nicht den Grund, warum die drei hinter ihm her waren. Also musste er die Situation schnell bereinigen und von hier verschwinden. Anschließend blieb ihm immer noch Zeit, sich über das Warum Gedanken zu machen.
Geduckt bewegte er sich von Deckung zu Deckung durch das Fabrikgebäude, immer auf der Suche nach dem letzten Angreifer. ‚Nichts zu sehen - so ein Dreck,' dachte er noch.
Als er plötzlich hinter sich ein Geräusch hörte, wirbelte er herum. Noch in der Drehung feuerte er auf seinen Angreifer, aber zu spät. Er sah den Mündungsblitz der gegnerischen Waffe, und wusste, dass er nicht mehr ausweichen konnte. Er hatte das Gefühl, das gegnerische Projektil wie in Zeitlupe auf sich zukommen zu sehen. Er merkte noch, wie sein neuer Anhänger, den er seit jenem Tag immer auf der Brust trug, plötzlich sehr heiß wurde. Dann spürte er einen heftigen Schlag - danach war nur noch Dunkelheit um ihn.
Als Dreamer aufwachte, hatte er das Gefühl, von einer Lokomotive überrollt worden zu sein. Langsam klärten sich seine Gedanken.
Er hätte doch tot sein müssen. Er hatte den Mündungsblitz gesehen, auch konnte er sich erinnern, dass er das Projektil auf sich zukommen sah. Danach hatte er einen heftigen Schlag gespürt und nichts mehr.
Er erhob sich langsam und sah gegenüber noch seinen dritten Gegner liegen. Er schaute sich den Menschen an. Die Leiche wies 3 Einschüsse auf, was ihn aber erstaunte war die Tatsache, dass der Leichnam aussah, als wäre er gegrillt worden. Er war schwarz verfärbt und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Dreamer hatte keine Ahnung, was vorgefallen war, aber dieses Rätsel musste warten. Er musste so schnell wie möglich von hier weg.
Eine schnelle Untersuchung der beiden anderen Leichen brachte ihm auch keine Erkenntnisse über seine Gegner. Sie waren ihm völlig unbekannt. Keine Shadowrunner hier aus der Gegend. Sie trugen nichts bei sich, was sie mit ihrem Auftraggeber in Verbindung brachte.
Er schlich sich zum Ausgang. Ein Blick nach draußen zeigte ihm, dass der Minivan verschwunden war. Sein Motorrad lag noch an der gleichen Stelle. Eine schnelle Inspektion zeigte ihm, dass die Maschine nicht mit irgendeinem Sprengsatz präpariert worden war.
Schnell verließ er diese Stätte und suchte eines seiner Notfallverstecke auf. Er wählte einen Umweg, aber Verfolger waren nicht auszumachen. Dort angekommen, versuchte er, die Ereignisse aufzuarbeiten.
Alles war logisch bis zu dem Moment, als er sich nach seinem dritten Gegner umdrehte. Dieser war schneller gewesen, hatte zuerst geschossen. Eigentlich hätte Dreamer tot sein müssen. Aber er lebte noch. Er erinnerte sich vage daran, dass sein Anhänger plötzlich sehr heiß geworden war, dann folgte ein Schlag und der Rest lag für ihn im Dunkeln.
Der Anhänger musste irgend etwas mit der Sache zu tun haben. Der Laden wo er ihn gekauft hatte. Der Zwerg müsste eigentlich Auskunft geben können. Schnell verließ er noch mal seine Unterkunft und ging zu dem Laden hin. Aber den Weg hätte er sich sparen können. Der Laden stand leer. Nichts deutete darauf hin, dass hier vor kurzem dieses merkwürdige Geschäft gewesen war, wo er den Anhänger gekauft hatte.
Wieder zurück in seiner Unterkunft, setzte er sich ans Telefon und rief seinen Schieber Wark an, einen Ork, der sich darauf spezialisiert hatte, potentiellen Auftraggebern die für den Auftrag passenden Shadowrunner zu vermitteln.
"Ich benötige einen Magier," kam er sofort zur Sache, als der Ork abhob. "Er sollte sich mit magischen Artefakten auskennen."
"Gebont, ich melde mich bei Dir," erwiderte der Ork und legte wieder auf. Dreamer wusste, dass der Ork ihm einen ausgezeichneten Magier verschaffen würde. Das Gute an ihm war, dass er nie unangenehme Fragen stellte. Auf seine Diskretion konnte man sich verlassen. Kurze Zeit später meldete Wark sich und gab ihm eine Adresse und eine Zeit durch, wo er den Magier würde treffen können. Diesen besonderen Service würde er natürlich auch in Rechnung stellen, aber das war es Dreamer wert. Er wusste, dass der Ort völlig sicher sein würde, so dass er mit dem Magier in Ruhe arbeiten konnte.
Er machte sich auf den Weg zum Treffpunkt.
Zur vereinbarten Zeit traf Dreamer an der Adresse ein. Das Haus lies auf Wohlstand schließen, denn es befand sich in einem vornehmen Wohngebiet von Boston. Dreamer klingelte an der Tür. Die Tür wurde geöffnet, ein Diener führte ihn, nachdem er sich vorgestellt hatte, ins Haus in eins der Zimmer und bedeutete ihm, dort zu warten.
"Sie müssen Dreamer sein," erklang hinter ihm eine Stimme, als der Gastgeber den Raum betrat. "Mein Name ist Theron. Sie benötigen meine Dienste?"
Dreamer nahm den Anhänger ab und legte ihn auf den Tisch vor sich. "Ich hätte gerne gewusst, worum es sich bei diesem Anhänger handelt," sagte er. Anschließend erzählte er dem Magier, wie er zu dem Anhänger gekommen war und von der Schießerei. Er erzählte ihm auch von den wirren Träumen in letzter Zeit, und dass der Laden wie vom Erdboden verschluckt war.
Theron hörte wortlos zu. Als Dreamer seine Erzählung beendet hatte, sank der Magier in eine kurze Trance, während der er die Aura des Anhängers im Astralraum überprüfte. Kurz darauf öffnete er wieder die Augen und musterte Dreamer.
"Der Anhänger beherbergt Drachenmagie," sagte Theron. "So viel konnte ich erkennen. Große Macht umgibt ihn, und er scheint auf etwas zu warten. Es war mir nicht möglich, mehr darüber herauszufinden. Nach dem, was Sie mir erzählt haben, vermute ich, dass eine besondere Verbindung zwischen Ihnen und dem Anhänger besteht. Deshalb würde ich vorschlagen, dass ich Sie mit auf die Astralebene nehme. Sie können vermutlich dort mit dem Artefakt in Kontakt treten."
Dreamer gefiel diese Vorstellung überhaupt nicht, aber er hatte keine Wahl, wollte er herausfinden, was es mit diesem Anhänger auf sich hatte. Er spürte, dass hier besondere Kräfte am Werk waren, deshalb willigte er ein.
Theron versetzte Dreamer und sich in Trance. Dreamer hatte das Gefühl, sich von seinem Körper zu lösen. Vor sich sah er den durchscheinenden Astralleib des Magiers. Als er an sich herunterschaute, sah er, dass er ebenfalls durchsichtig war. Er konnte seinen und den Körper des Magiers entspannt in den Sesseln ruhen sehen. Zwischen ihnen lag der Anhänger auf dem Tisch und pulsierte in einem goldenen Licht.
Theron reichte Dreamers Astralgestalt die Hand und zog ihn mit sich. Ehe Dreamer wusste, wie ihm geschah, passierten sie mehrere Tore und befanden sich plötzlich an ihrem Ziel. Hier konnte Dreamer ihre beiden Körper und den Anhänger so gut wie nicht mehr erkennen, allenfalls erahnen. Dafür war das Pulsieren des Anhängers um so deutlicher und intensiver erkennbar.
"Sie müssen jetzt alleine weitermachen. Ich werde in der Nähe sein. Wenn Sie mich brauchen, rufen sie mich einfach," übermittelte ihm der Magier gedanklich, dann stand Dreamer alleine da.
Vorsichtig näherte er sich dem pulsierenden Licht. Dieses wurde heller und intensiver, aber Dreamer verspürte keine Furcht. Das Licht nahm Konturen an. Zuerst ganz schwach, dann immer deutlicher wurde die riesige durchscheinende Gestalt eines goldenen Drachen erkennbar. Obwohl durchscheinend, war jede Einzelheit des Drachen deutlich zu sehen jede Schuppe, jede Kralle, jedes Horn. Der Astraldrache war wunderschön anzuschauen. Der Drache öffnete die Augen und blickte Dreamer an.
"Endlich seid Ihr da," hörte Dreamer eine Stimme in seinem Kopf. "Ich bin Alurion. Mein Geist ist in dieses Objekt - das Drachenauge - eingebettet."
Tausend Gedanken und Fragen schwirrten ihm durch den Kopf.
"Ich werde Euch jetzt zeigen, was es mit dem Drachenauge auf sich hat."
Plötzlich erschienen Bilder in Dreamers Kopf - er sah die Geschichte von der Entstehung des Drachenauges - seine Entwicklung - seine früheren Träger. Er erfuhr alles vom Drachenauge - bis zum heutigen Tag.
Schließlich hörten die Bilder auf und die Stimme war wieder in seinem Kopf.
"Ihr seid auserwählt. Ihr seid der Träger, wir gehören zusammen."
Dreamer nickte, die Drachengestalt verschwamm und zurück blieb wieder dieses pulsierende Glühen. Er rief nach Theron, um wieder zurückzukehren. Er hatte alles erfahren, was er wissen musste.
Theron's Astralgestalt tauchte neben ihm auf, und ohne Worte wusste er, dass Dreamer hier fertig war. Er nahm ihn wieder bei der Hand und kehrte mit ihm zurück.
Dreamer öffnete die Augen. Theron saß ihm gegenüber und blickte ihn an.
"Geht es Ihnen gut?"
"Mir schwirrt der Kopf. Aber ansonsten fühle ich mich in Ordnung," erwiderte er.
"Haben Sie etwas erfahren?" fragte Theron interessiert.
"Eine ganze Menge," erwiderte Dreamer. "Mal sehen, ob ich es noch vernünftig zusammenbekomme.
Also der Anhänger hat einen Namen - Drachenauge. In ihm ist der Geist eines Drachen eingebettet. Er wurde von den Drachen selbst erschaffen, vor langer langer Zeit. Alurion, so heißt der Drache, wollte immer Gutes tun. Er wusste, dass er selbst auch nicht unsterblich ist, und um das Böse zusammen mit den Menschen zu bekämpfen, kam er auf den Gedanken, ein magisches Artefakt zu erzeugen.
Dieses Artefakt sollte so beschaffen sein, dass es sich seinen Träger aussucht und mit ihm eine Symbiose eingeht. Das Artefakt beschützt den Träger bei Gefahr und verleiht ihm besondere Kräfte. Der Träger setzt im Gegenzug diese Kräfte dazu ein, Böses zu bekämpfen. In einem magischen Ritual versetzte Alurion mit Hilfe anderer Drachen seinen Geist in dieses von ihm geschaffene Artefakt. Seither hat es viele Träger gegeben.
Aber wir Menschen sind auch sterblich, und wenn der Träger stirbt, dann wartet das Artefakt auf einen neuen Träger. In bestimmten Abständen sendet es eine Art Ruf aus und wartet dann. Jetzt verstehe ich auch, warum ich mich von diesem merkwürdigen Geschäft angezogen gefühlt habe. Ich vermute, dass ich diesem Ruf gefolgt bin.
Die Träume stammten übrigens auch von dem Drachenauge. Es war der Versuch Alurions, mir zu zeigen, was das Drachenauge ist, und wie ich mit ihm umgehen kann. Aber irgendwie war ich nicht offen genug, diese Botschaft zu verstehen. Deshalb die wirren Träume.
Das Drachenauge hat mich dann auch bei der Schießerei beschützt. Alurion hat es mir gezeigt. Als der dritte Gegner auf mich schoss, aktivierte sich in diesem Augenblick höchster Gefahr das Drachenauge. Um mich herum nahm eine Art magischer Schild Gestalt an, der die Wucht des Projektils milderte. Ich bekam nur einen gewaltigen Stoß ab. Außerdem schlug aus dem Drachenauge eine Flammenzunge, wie der Flammenatem eines Drachen, die den Typen gegrillt hat.
Mehr bekomme ich momentan nicht zusammen," beendete Dreamer seinen Bericht.
Theron schaute ihn nachdenklich an und meinte dann:
"Ihnen ist klar, dass dieses Artefakt etwas ganz besonderes ist? Jeder, der von seiner Existenz erfährt, könnte in die Versuchung kommen, es Ihnen abzunehmen, um diese Macht für sich zu nutzen. Die Typen, die hinter Ihnen her waren, könnten von jemandem, der die Existenz des Artefaktes erspürt hat, ausgesandt worden sein, um es Ihnen abzunehmen. Und Sie haben jetzt eine besondere Verantwortung."
Dreamer schaute den Magier fragend an.
"Sie wurden von einem Drachen erwählt, auch wenn es sich nur um den Geist eines Drachen handelt. Sie wissen doch, was mit Individuen passiert, die sich dem Willen eines Drachen widersetzen? Der